Die alten Mühlen in Bayern

Prof. Gerhard Trumler arbeitet an seinem neuesten Werk


Wer von uns hat sich nicht schon einmal an die Mühlen vor seiner Haustür gemacht, sei es als Liste für andere Mühlenfreunde oder als Nachbereitung, um die eigenen Fotos zu ordnen. Wie schnell stößt man dabei an die eigenen Grenzen, wenn Verzeichnisse aus alten und örtlich begrenzten Publikationen längst nicht mehr aktuell sind und die Listen ehemaliger Standorte, die im Internet abrufbar sind, überwiegend aufgelassene und wüstgefallene Standorte wiedergeben. Vor zehn Jahren hat der bayerische Landesverband daher bereits 92 historische und produzierende Mühlen in der Mühlenkarte Bayern erfasst (ISBN 978-3981162684).

Prof. Gerhard Trumler, vielfach ausgezeichneter österreichischer Weltklasse-Photograph, hat sich nun noch einmal - ein Jahrzehnt nach der erwähnten bayerischen Mühlenkarte - intensiv mit der Mühlenlandschaft in unserem Bundesland beschäftigt. Als Bewahrer des Augenblicks hat er in seinen unzähligen Werken das Vergängliche für die Nachwelt konserviert. Bekannt sind seine Photobände zu Klöstern, Brauereien, Landschaften, Steinen, Menschen und auch Mühlen: Der erste Band einer Tetralogie zu unserem Lieblingsthema nennt sich „Alte Mühlen in Österreich“ und hat schon einen festen Platz in den Bücherregalen vieler Mühlenfreunde gefunden, während der zweite Band „Alte Mühlen in Südtirol und Trentino“ noch beim Verleger ist und bald erscheinen wird.

Im dritten Band nun geht es um „Alte Mühlen in Bayern“. Kein einzelnes Tal, kein einzelner Fluss, nein - ganz Bayern. Dies lässt bereits erkennen, dass das Werk einen Anspruch auf gewisse Vollständigkeit im ausgewählten Bundesland erhebt, ihn - wie sich bei den Arbeiten zeigte - gleichzeitig aber niemals erreichen wird können.

Alte Mühlen in Bayern, die der Zielsetzung des Autors entsprechen, sind ihm – unter anderem auch durch die Assistenz unseres Landesverbandes – an nahezu 400 Standorten bekannt. Auf zahlreiche weitere bayerische Mühlenobjekte verzichtet er in seinem Werk jedoch bewusst, wenn diese – insbesondere durch Verlust ihres Wasserrades – nicht mehr als typische Mühle erkennbar sind. Der Erfolg seiner Bücher gibt ihm Recht.

Dieses einzigartige Vorhaben der gleichzeitigen und damit aktuellen Dokumentation aller typischen Wassermühlen in ihrem jetzigen Erhaltungszustand wird, da es unseren satzungsgemäßen Aufgaben nahesteht, seitens des bayerischen Landesverbandes unterstützt. Mehrmals in der Woche hält eines unserer Vorstandsmitglieder Kontakt zu Gerhard Trumler. Für die zahlreichen hilfreichen Rückmeldungen und Standortprüfungen unserer Verbandsmitglieder, angestoßen durch eine Beilage zum letzten Mitglieder-Rundschreiben, ist Gerhard Trumler ebenfalls dankbar.

Unzählige Telefonate führte er mit Landratsämtern, Behörden und örtlichen Mühlenbesitzern, und schloss nach seinen Recherchen viele der gesammelten Standorte aus, wenn das Objekt nicht mehr bekannt oder nicht mehr vorhanden war, und deshalb die Anreise nicht erfolgversprechend schien.

 

Einen Großteil Bayerns hat der umtriebige „Pensionist“ schon besucht und die Mühlen photographisch dokumentiert. Aufwändig holt der 2007 mit der Goldmedaille der Österreichischen Photographischen Gesellschaft ausgezeichnete „Unruheständler“ aus seinen zigtausenden Photos mit digitaler Nachbearbeitung jeweils das heraus, was er zeigen und der Nachwelt dokumentieren möchte.

Land und Leute hat Trumler auf seinen Reisen im letzten Jahr kennengelernt. Hindernisse überwindet er dabei mit der ihm eigenen Zähigkeit und Unerschütterlichkeit, auch wenn ihm die Perspektivlosigkeit an manchem Standort durchaus nahegeht, wenn er beim Photographieren erfährt, dass die Gemeinde keinen Neubau des Wasserrades duldet, oder wenn er feststellen muss, dass ein vielversprechender Standort beim Besuch nichts mehr zum Bewahren und Abbilden aufweisen kann.

Die Betreuung der verbliebenen Objekte wird nur mit einem engen Netzwerk für Triebwerksbesitzer und Bewahrer historischer Mühleneinrichtungen in Rechts- und Erhaltungsfragen zukunftsfähig sein, um die letzten Zeitzeugen vor dem Verschwinden zu bewahren. Gegen das weitere Verschwinden der Wasserräder braucht es vor Ort - neben kundigem Rechtsbeistand bei Wasserrechtsproblemen - Hilfe beim Zugang zu Fördermitteln, Austausch der betroffenen Mühlenbesitzer und Sensibilisierung der Bevölkerung.

 

Den letzten Punkt wird Gerhard Trumler mit seinem neuem Mühlen-Photobuch abdecken, das in 2019 erscheinen soll und Außenstehenden die Schönheit und Erhaltenswürdigkeit der alten Mühlen in Bayern erschließen kann. Bei diesem Werk wird es sich um eine vollständige Listung der alten, erhaltenen Mühlen im Bundesland Bayern handeln, und es bleibt zu hoffen, dass die meisten der abgebildeten Objekte den Sprung in ein neues Zeitalter schaffen.